Wilhelmshorst

Wilhelmshorst

Wilhelmshorst ist ein Ortsteil der Gemeinde Michendorf im Landkreis Potsdam-Mittelmark.
Der Ortsteil hat 3.143 Einwohner (Stand:31.12 2012) auf einer Fläche von 8,48 km2; und liegt an der Berlin-Blankenheimer Eisenbahn, einem Teilabschnitt der Kanonenbahn von Berlin nach Metz.
Der Ort wurde ab 1907 als Villenkolonie an der Eisenbahnstrecke Berlin-Dessau, der sogenannten Kanonenbahn, nahe Potsdam für kaufkräftige Berliner (Beamte, Offiziere, Kaufleute) als großzügig gestaltete Siedlung mitten im Wald angelegt. Wilhelmshorst wurde im Oktober 2003 gegen den Willen der Mehrheit seiner Bewohner nach Michendorf eingemeindet. Im Jahr 2007 beging der Ort sein 100-jähriges Bestehen u.a. mit der Herausgabe eines Jubiläumsbuches.

Geschichte

Die erste Besiedlung Wilhelmshorsts erfolgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Gelände gehörte zur Landgemeinde Neu-Langerwisch und zum Teil zur wüsten Feldmark Schönenberg. 1907 wurde die Siedlung oder Villenkolonie gegründet. Den Namen Wilhelmshorst erhielt der Ort 1911 nach Wilhelm Mühler, der hier zuerst Boden gekauft hatte.
Um den Ort besser von Berlin zu erreichen, finanzierten die Bewohner im Jahr 1915 einen Bahnhof. 1925 wurden 193 Hektar von der Gemarkung der Landgemeinde Neu-Langerwisch abgetrennt und zur Landgemeinde Wilhelmshorst erhoben. 1928 wurden im Rahmen von Neuordnungen im Landkreis Zauch-Belzig weitere Teile vom Gutsbezirk Kunersdorf Forst, vom Gutsbezirk Neu-Langerwisch und vom Gutsbezirk Plantagenhaus zur neuen Gemeinde geschlagen. 1931 wird die Größe der Gemarkung mit 1202 ha angegeben. 1939 hatte Wilhelmshorst 1313 Einwohner, die in Wilhelmshorst und den zugehörigen Wohnplätzen Templin und Forsthaus Templin wohnten. 1946 erhielt Wilhelmshorst von der Gemeinde Ferch eine Waldzulage von 76 ha. 1957 wurden 17 ha der Behelfsheimsiedlung an die Gemeinde Michendorf abgegeben. Vom 11. Juni 1950 bis 1952 verlor die Gemeinde kurzzeitig ihre Selbständigkeit, als die Siedlung zu Potsdam gehörte. Bis zur Eingemeindung nach Michendorf im Oktober 2003 blieb Wilhelmshorst eigenständig.

Persönlichkeiten

Mit der Waldgemeinde ist das Leben folgender Persönlichkeiten verbunden :
Friedrich Müssemeier (* 1876, † 1957) war ein deutscher Veterinärmediziner, lebte zeitweise in Wilhelmshorst
Otto Haesler (* 1880; † 1962) war ein deutscher Architekt und bedeutender Vertreter des Neuen Bauens außerhalb des Bauhauses, lebte von 1953 bis zu seinem Tod am 2. April 1962 in Wilhelmshorst
Albert Gessner (* 1868, † 1953), war ein deutscher Architekt, maßgeblich an den Bauplanungen in Wilhelmshorst-Süd und am Bahnhof Wilhelmshorst in den 1910er Jahren beteiligt
Karl Steinhoff (* 1892; † 1981) war Ministerpräsident des Landes Brandenburg und Minister des Inneren der DDR, lebte von 1933 bis Ende der 1970er Jahre in Wilhelmshorst.
Per Gesetz wurde am 8. Februar 1950 das Ministerium für Staatssicherheit gegründet. Karl Steinhoff begründete als der damalige DDR-Innenminister in der Volkskammer die Notwendigkeit eines solchen Ministeriums. Das Ministerium sei notwendig für den "zuverlässigen Schutz der volkseigenen Betriebe, landwirtschaftlichen Güter und des Verkehrswesens vor verbrecherischen Elementen, feindlichen Agenten, Diversanten, Saboteuren und Spionen"! Damit begann der systematische Ausbau eines flächendeckenden Überwachungsnetzes in der DDR, der bis zum Wendejahr 1989 andauerte.

Edlef Köppen (* 1893, † 1939) war ein deutscher Schriftsteller und Rundfunkredakteur, lebte von 1933 bis 1939 in Wilhelmshorst
Alfred Klose (* 1895, † 1953) war ein deutscher Naturwissenschaftler, lebte zeitweise in Wilhelmshorst
Peter Huchel (* 1903, † 1981), war ein deutscher Lyriker und Redakteur, lebte zeitweise in Wilhelmshorst
Erich Arendt (* 1903, † 1984), war ein deutscher Lyriker und literarischer Übersetzer, lebte von 1971 bis zu seinem Tod am 25. September 1984 in Wilhelmshorst
Hermann Henselmann (* (1905, † 1995) war ein deutscher Architekt, bekannt durch sein Wirken im Städtebau der DDR der 1950er und 1960er Jahre, lebte in den 1930er Jahren in Wilhelmshorst
Kurt E. Lange (*1888, † 1965) ließ sich 1923 als selbständiger Architekt in Wilhelmshorst nieder und prägte entscheidend das Ortsbild - 2013 wurde sein 125. Geburtstag gefeiert
Kurt-Herrmann Kühn (* 1926, † 1989) war ein bildender Künstler, lebte von 1964 bis zum Ende der 1980er Jahre in Wilhelmshorst, Schöpfer der Opfer des Faschismus-Gedenkstele im Birkenwäldchen Wilhelmshorst
Nils Werner (* 1927, † 1989) war ein deutscher Dichter und Kinderbuchautor, lebte zeitweise in Wilhelmshorst
Konrad Wolf (* 1925, † 1982) war ein deutscher Regisseur, lebte zeitweise in Wilhelmshorst
Lutz Seiler (* 1963) ist ein deutscher Schriftsteller, lebt in Wilhelmshorst und leitet das literarische Programm im Peter-Huchel-Haus ebenda
Gerit Kling (* 1965) ist eine deutsche Schauspielerin und in Wilhelmshorst aufgewachsen
Anja Kling (* 1970) ist eine deutsche Schauspielerin, sie lebt in Wilhelmshorst